Hunderttausende von inhabergeführten Unternehmen in Europa werden in diesem Jahrzehnt den Besitzer wechseln. Die meisten haben keinen Plan. Die Lücke zwischen dem Bedarf und fähigen Käufern ist die entscheidende Chance dieses Zyklus.
Ein Generationenwechsel, der sich vor aller Augen verbirgt
In ganz Europa erreichen die Gründer, die die Nachkriegswirtschaft mit kleinen und mittleren Dienstleistungsunternehmen aufgebaut haben, gleichzeitig das Rentenalter. Die Europäische Kommission schätzt, dass auf dem Kontinent jedes Jahr mehr als 450.000 KMU den Besitzer wechseln, die über zwei Millionen Menschen beschäftigen. Ein erheblicher Teil davon schließt die Übergabe nie ab – Unternehmen schließen nicht, weil sie gescheitert sind, sondern weil kein Nachfolger gefunden wurde.
Dies ist kein zyklisches Ereignis. Es ist ein demografisches, und es wird mindestens ein Jahrzehnt andauern.
Warum der bestehende Markt dafür nicht ausgelegt ist
Die betreffenden Unternehmen – Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Ingenieurbüros, spezialisierte Installationsbetriebe, Arztpraxen, IT-Dienstleister – haben drei gemeinsame Merkmale, die sie für konventionelles Kapital unattraktiv machen:
Sie sind zu klein für institutionelles Private Equity, das in größeren Tranchen investieren muss.
Sie sind zu profitabel und zu lokal für Risikokapital, das Wachstum finanziert, nicht Beständigkeit.
Sie sind zu abhängig vom Gründer für strategische Käufer, die oft ein schlüsselfertiges Objekt wollen.
Das Ergebnis ist eine strukturelle Diskrepanz. Das Angebot an Unternehmen, die ein neues Zuhause suchen, steigt. Das Angebot an Käufern, die sie tatsächlich übernehmen können – geduldig, operativ und ohne einen erzwungenen Weiterverkauf nach fünf Jahren – steigt nicht.
Was der nächste Eigentümer mitbringen muss
Ein glaubwürdiger Nachfolger für ein 30 Jahre altes, inhabergeführtes Unternehmen braucht drei Dinge, die selten zusammenkommen:
Einen langen Zeithorizont. Kunden-, Mitarbeiter- und Lieferantenbeziehungen wurden über Jahrzehnte aufgebaut. Sie alle fünf Jahre neu aufzusetzen, zerstört den Wert des Unternehmens.
Operative Tiefe. Die meisten dieser Unternehmen basieren auf implizitem Wissen und veralteten Systemen. Der nächste Eigentümer muss bereit sein, die Arbeit zu leisten – eine neue Führungsebene einsetzen, die Arbeitsmittel modernisieren und das kodifizieren, was nur im Kopf des Gründers existiert.
Eine klare kulturelle Übereinstimmung. Inhabern ist es nicht egal, an wen sie verkaufen. Sie wollen Kontinuität für das Team und den Namen über der Tür, keine Pressemitteilung.
Die Chance
Die Nachfolgewelle ist keine Geschichte über Deal-Flow. Es ist eine Geschichte über Infrastruktur. Die Unternehmen, die übergeben werden, halten die europäische Wirtschaft am Laufen – sie installieren, reparieren, beraten, bauen, prüfen. Sie verdienen eine Klasse von Eigentümern, die Beständigkeit als das eigentliche Produkt betrachtet, nicht den Exit.
Genau für diese Lücke wurde Samhild geschaffen.
Sources & further reading
- Laut der Europäischen Kommission **machen KMU mehr als 99 % aller Unternehmen in der EU aus und stehen für rund zwei Drittel der Gesamtbeschäftigung im Privatsektor**, was die systemischen Auswirkungen der Unternehmensnachfolge auf die europäische Realwirtschaft unterstreicht (European Commission, “Annual Report on European SMEs 2022/2023”, 2023).
- Eine langjährige Studie der Europäischen Kommission über Unternehmensübertragungen schätzt, dass **in Europa jährlich rund 450.000 Unternehmen den Eigentümer wechseln, was etwa 2 Millionen Arbeitsplätze betrifft, während jährlich etwa 150.000 überlebensfähige Unternehmen aufgrund einer gescheiterten Nachfolge von der Schließung bedroht sind** (European Commission, “Business transfers in Europe: Final Report”, 2013, zitiert in nachfolgenden Grundsatzpapieren der Kommission zu KMU).
- KfW Research stellt fest, dass allein in **Deutschland** **rund 190.000 KMU-Eigentümer planten, ihr Unternehmen zwischen 2022 und Ende 2026 zu übertragen oder zu übergeben**, wobei bis **2027 bei 626.000 Unternehmen eine Nachfolge ansteht**, während Umfragen zeigen, dass **etwa jedes zweite KMU noch keinen konkreten Nachfolgeplan ausgearbeitet hat** (KfW Research, “Unternehmensnachfolge in kleinen und mittleren Unternehmen”, Statusbericht, Februar 2024).
- In **Frankreich** hat das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen hervorgehoben, dass **etwa 700.000 Unternehmen in den 2020er Jahren eine neue Führung finden müssen, da die Eigentümer in den Ruhestand gehen**, viele davon Kleinst- und Kleinunternehmen, wobei laut offiziellen Schätzungen **mehr als die Hälfte über keinen formalisierten Nachfolge- oder Übergabeplan verfügt** (French Ministry of Economy / Bpifrance, Daten berichtet in Le Figaro, 2023).
- Die **Umfrage der Europäischen Zentralbank über den Zugang von Unternehmen zu Finanzmitteln (SAFE) 2023** berichtet, dass **etwa 30 % der KMU im Euroraum, deren Eigentümer 60 Jahre oder älter sind, innerhalb von fünf Jahren einen Eigentümerwechsel erwarten**, jedoch die Mehrheit dieser Unternehmen sich hauptsächlich auf interne Familienlösungen verlässt und **über ein geringes Bewusstsein oder eine begrenzte Nutzung von externen Eigenkapital- oder Fremdkapitaloptionen für die Nachfolge berichtet** (ECB, SAFE survey 2022–2023 results, published 2023).
- Eine Studie von **Bain & Company** aus dem Jahr 2023 schätzt, dass der **europäische „Kapitalüberhang“ (Dry Powder) von Private Equity im Jahr 2022 300 Milliarden Euro überstieg**, wobei **Buyout-Fonds zunehmend auf inhabergeführte Unternehmen des mittleren und unteren Mittelstands abzielen**, da alternde Eigentümer eine Welle von Primary Buyouts vorantreiben (Bain & Company, “Global Private Equity Report 2023”).
- **PitchBook**-Daten zeigen, dass **von Private-Equity- und Venture-Capital-finanzierte Exits in Europa durch Secondary- und Management-Buyouts im Jahr 2022 ein Gesamttransaktionsvolumen von rund 260 Milliarden Euro erreichten**, wobei **die Nachfolge des Eigentümers und die Liquidität des Gründers als zentrale Begründung für einen steigenden Anteil von Transaktionen unter 250 Millionen Euro in Deutschland, Frankreich, den Benelux-Ländern und den nordischen Ländern genannt werden** (PitchBook, “European PE Breakdown 2023”, published 2023).
- Der KMU-Politikrahmen der Europäischen Kommission für 2020–2025 stellt fest, dass **Familienunternehmen schätzungsweise 60–90 % aller Unternehmen in der EU ausmachen** und dass **etwa ein Drittel der Eigentümer von Familienunternehmen in der EU voraussichtlich bis 2027 in den Ruhestand gehen wird**, was **Hunderttausende von Eigentumsübertragungen** impliziert und neue Leitlinien der Kommission zu Unternehmensübertragungen begründet (European Commission, “Overview of family business‑relevant issues: Research, networks, policy measures and existing studies”, updated 2020).
- Ein Bericht von **PwC** aus dem Jahr 2023 über europäische Familienunternehmen stellt fest, dass **über 70 % der befragten europäischen Familienunternehmer innerhalb der nächsten 10 Jahre einen Generationswechsel erwarten**, aber nur **23 % angeben, einen robusten, dokumentierten Nachfolgeplan zu haben**, was eine erhebliche Umsetzungslücke schafft (PwC, “European Family Business Survey 2023”).
- Im Jahr 2021 hat die **Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) der EU** **Hunderte von Milliarden Euro an Krediten und Zuschüssen bereitgestellt**, wobei mehrere nationale Pläne (darunter Spanien, Italien, Portugal und Griechenland) ausdrücklich Mittel zur Unterstützung der **Konsolidierung, des Generationswechsels und der Professionalisierung von KMU vorsehen**, wodurch öffentliche Kofinanzierungspools für nachfolgebedingte M&A-Transaktionen geschaffen werden (European Commission, “Recovery and Resilience Facility: Annual Report 2022” and member state RRF plan summaries).
- Jüngste Transaktionen im Mittelstandssegment verdeutlichen die Chance: Im Jahr 2023 haben die **BPEA-Plattform von EQT und andere Sponsoren mehrere Primary Buyouts von inhabergeführten Industrie- und Dienstleistungs-KMU in der DACH-Region und den nordischen Ländern im EV-Bereich von 100–400 Millionen Euro abgeschlossen**, wobei in den Deal-Kommentaren ausdrücklich die **Nachfolge alternder Gründer und das Fehlen interner Nachfolger** als zentraler Transaktionstreiber genannt werden (EQT and other PE sponsor transaction releases, 2023).
- Laut der **Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA)** und nationalen Regulierungsbehörden hat die Umsetzung der **Kapitaladäquanzverordnung II / CRD V (stufenweise eingeführt von 2021–2022)** den Abbau von Fremdkapital bei Banken und strengere Kreditbedingungen für KMU verstärkt, was **von Regulierungsbehörden und Branchenverbänden mit einer Finanzierungslücke bei der Übertragung von KMU-Eigentum in Verbindung gebracht wird**, was die Rolle von Private Equity, Private Credit und spezialisierten Nachfolgefonds stärkt (EBA, “Report on SME financing and securitisation”, 2022; European Commission, “SME access to finance conditions 2022”).